Yoga: Oooom … autsch!


Wer als Frau von Welt etwas gelten will, muss, so scheint es in letzter Zeit, Yoga machen. Zu den einen kommt der Jivamukti-Lehrer gleich ins Haus, die anderen versuchen es mit Heimprogramm. Was ist nur passiert?

Bis vor ein paar Jahren galt Yoga als die Lieblingsbeschäftigung von Radikal-Hippies, die, wenn sie sich nicht gerade in diversen Asanas verknoten, auch gerne mal einen Baum umarmen.


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Heute trifft man die Mitturnerinnen abends in den Nobeldisko – oder eben auch in einer Chef-Etage wieder.

Der Schluss liegt also nahe: Wenn ich meinen Verspannungen auf schicke Weise beikommen möchte, sollte ich auch mal wieder eine Yoga-Stunde besuchen. Gesagt, getan und den inneren Schweinehund überwunden, sitze ich also nach einjähriger Yogi-Abstinenz in der samstäglichen Jivamukti-Stunde. Dass sich mein Ausflug doppelt lohnt, erfahre ich gleich zu Beginn: Ein besonders gutes Karma bekämen wir, weil wir uns an diesem Nachmittag, trotz strahlenden Sonnenscheins, hier eingefunden hätten. Toll, ob das bedeutet, dass somit meine Zigaretten-Sünden vom letzten Abend bereits vergeben sind? Oder dass ich es jetzt trotz meiner Vorliebe zu Lästereien ins Himmelreich schaffe?

Angesichts solch positiver Effeke durch mein blosses Erscheinen könnte ich ja eigentlich gleich wieder gehen – wären da nicht noch diese bösen Rückenschmerzen, die offenbar nur mit wesentlich mehr postivem Karma bekämpft werden können. Nun gut, an den Sonnengrußss erinnere ich mich noch halbwegs, auch noch daran, wie man richtig in den Brustkorb atmet.

Aber dann geht es auch schon los: Wie ging doch gleich wieder Virabhadrasana? Schnell zur Nachbarin geschielt und dabei das Gleichgewicht verloren. Während ich mich möglichst unaufällig wieder aufrappele und mir die Nase reibe, wundere ich mich doch: Was soll an Yoga denn nun so schick sein, dass sämtliche Stars und Models es als Lieblingsbeschäftigung angeben? Natürlich sehen die Bewegungen grazil, nahezu göttlich aus, zumindest bei den Profis.

Ich frage mich, ob Christy Turlington anfangs ebenso hilflos wie ich mit den Beinen ruderte, um in den Kopfstand zu kommen! Oder ob sich Madonna irgendwann beinahe die Zähne ausgeschlagen hätte, beim verzweifelten Versuch, die Knie neben die Ohren zu bringen – elegant ist auf jeden Fall etwas anderes!

Vielleicht sieht es bei mir nicht erhaben aus, aber immerhin fördert es die Koordination. War ich mir bisher sicher, rechts und links unterscheiden zu können, werde ich jetzt eines Besseren belehrt. Mit der linken Hand den rechten Fuss über die linke Schulter an das linke Ohr heranführen und für fünf Atemzüge halten, lautet die nächste Übung.

Als die anderen bereits bei Atemzug vier angelangt sind, grüble ich immer noch, wo in dieser verknoteten Stellung jetzt eigentlich mein linker Fuss ist. Von meiner Ujjayi-Atmung, auf die ich vorher noch so stolz war, ist gerade mal ein Hecheln übrig geblieben. Also, durchatmen, konzentrieren, so schwer kann es ja nicht sein. Oder doch? Unser Ober-Yogi zeigt die seitliche Krähe: Beine neben dem Körper wegstrecken und auf beiden Armen stehen – eigentlich ein Kinderspiel. Mit Sicherheit – für Leute mit Federgewicht und Muskeln, die sich zu 80 Prozent in den Armen befinden, oder einen Grad der Erleuchtung erreicht haben, in dem Schweben möglich ist.

Gegen Ende der Stunde glaube ich zu wissen, dass ich neben Verspannungen und Bauchschmerzen vom falschen Atmen nun auch eine ausgerenkte Hüfte habe. Endlich sind wir bei der Kindchenstellung angekommen, darin bin sogar ich quasi ein Naturtalent.

Dann endlich hinlegen, sich immer tiefer sinken lassen, die Gedanken wie Wolken vorbeiziehen lassen. „Definitiv bin ich jetzt auch eine dieser hippen Journalistinnen“, weht es an mir vorbei, bevor ich mich ganz der Spiritualität hingebe.

Lieber Gruss
Eure Monika

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