Die Herren-Fasnacht ist vorbei. Für die meisten Menschen gilt jetzt Fastenzeit. Sie müssen nicht unbedingt Katholik sein, um bei diesem Ritual mitzumachen. Vielleicht zwickt nur der Hosenbund oder Sie wünschen sich die Bikini-Figur zurück: doch von Schnitzel, Schoggi und Bier kann man einfach nicht die Finger lassen.
Radikale Enthaltsamkeit ist angesagt. Eine Frühjahrskur muss her. Doch was ist dran am Fasten, Entgiften und Entschlacken? Viele machen es, um mit einer Kur – zum Beispiel mit einer Getreidekur – die Giftstoffe aus dem Körper auszuscheiden, den Körper von innen zu reinigen. Manche erhoffen sich dadurch den Beginn einer besseren Ernährungsgewohnheit.
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Dazu rät auch die bekannte Ernährungsexpertin Claudia Nichterl. Denn mit einer Entgiftung lasse sich nicht nur das Gewicht reduzieren, sondern durchaus auch die Blutwerte von Leber und Nieren verbessern, die Organe durch die Nährstoffe besser versorgen sowie die Verdauungstätigkeit regulieren.
Keine Diät, sondern Lebenseinstellung
“Fasten ist keine Diät, sondern eine Lebenseinstellung”, meint der Fastenarzt Eduard Pesina. Dass man danach wieder die verlorenen Kilos zunimmt, ist möglich. “Doch es war eine erfolgreiche Fastenwoche, wenn man zumindest einen Input aus der Zeit für das spätere Leben mitnehmen kann”, so Pesina.
Von „Null-Diät“ bis Saftfasten
Eine Kur kann in den unterschiedlichsten Formen durchgeführt werden. Beim totalen Fasten, der sogenannten “Null-Diät”, werden dem Körper nur energiefreie Getränke (zwei bis drei Liter pro Tag) zugeführt. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, werden zusätzlich Vitamine und Mineralstoffe verabreicht. “Das totale Fasten sollte nur stationär unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden”, rät Nichterl. Beim Saftfasten werden die notwendigen Vitamine und Mineralstoffe in Form von Obst- und Gemüsesäften, Gemüsesüppli, Mineralwasser sowie ungesüssten Kräutertees zugeführt. Gesüsst wird ausschließlich mit
Honig oder Agavendicksaft.
Beim modifizierten Fasten werden dem Körper täglich hochwertige Eiweissgemische, Kohlenhydrate sowie Vitamine, Mineralstoffe und essenzielle Fettsäuren zugeführt. Das Heilfasten dient primär der Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten. Es sollte ausschließlich unter ärztlicher Kontrolle, eventuell stationär in einer Fastenklinik durchgeführt werden.
Glykogenreserven werden „gefressen“
Zu Beginn des Fastens deckt der Körper seinen Energiebedarf aus den Glykogenreserven, in den folgenden Tagen findet vermehrt eine Glucoseneubildung aus Aminosäuren (Eiweissbausteine) statt, in weiterer Folge stehen in zunehmendem Masse auch die Fettreserven zur Energiegewinnung zur Verfügung, weiß Nichterl. Wichtig ist es, während der gesamten Fastenperiode immer ausreichend zu trinken (zwei bis vier Liter pro Tag) um “Schlacken” auszuschwemmen. “Die Leber, unser zentrales Entgiftungsorgan, kann durch Auflegen eines Leberwickels unterstützt werden”, meint Nichterl. Viele Fastende fühlen sich in der Anfangsphase müde, erschöpft und depressiv, doch schon nach wenigen Tagen tritt eine geradezu euphorische Stimmung ein.
Kein Schnitzel nach dem Fastenbrechen
Vorsicht beim sogenannten Fastenbrechen: Wird nach der Kur wieder ungezügelt gegessen, ist der ganze Effekt dahin, meint Nichterl. “Sie werden ihr blaues Wunder erleben, wenn sofort wieder das Schnitzel gegessen wird, das tut weh im Magen”, sagt Pesina. “Nach der Gipsabnahme kann ich auch nicht gleich laufen gehen.”
Vorsicht bei chronischen Entzündungen
Vorsicht gilt aber für Menschen mit chronischen Entzündungen, bei Kreislaufschwäche, niedrigem Blutdruck, chronischen Krankheiten und bei seelischen Problemen. In solchen Fällen sollte von einer Fastenkur Abstand genommen werden.
Saftkuren am besten geeignet
Ohne ärztliche Aufsicht sollte eine Fastenkur maximal fünf Tage dauern, wobei Saftkuren am besten geeignet sind, so die Ernährungs-Expertin. Denn nur so ist eine ausreichende Vitamin- und Mineralstoffzufuhr gewährleistet. “Von Nulldiäten ist absolut abzuraten, da der Organismus in den Hungerstoffwechsel fällt und dies gesundheitliche Schäden nach sich ziehen kann”, meint Nichterl. Vor einer Saftkur rät die Ernährungsexpertin zu einer Getreidekur, die etwa eine Woche dauert.
Das Grundnahrungsmittel in dieser Zeit ist eine Getreideart, wie zum Beispiel Reis, Gerste, Polenta, Quinoa oder Hirse – gekocht oder als Congee zubereitet, das heisst eine Tasse Getreide mit zehn bis zwölf Tassen Wasser für drei Stunden kochen.
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